Historisches Heuport

Das Haus Heuport, früher an der Heuport genannt, liegt gegenüber der Westfassade des Domes und zählt zu den größten bürgerlichen Bauten in der mittelalterlichen Bürger- und Kaufleutestadt Regensburg. Der Name "Heuport" leitet sich ab von "Heutor" (lat.: Porta Foeni - Heutor), welches zur damaligen Judenstadt führte. Das Tor hatte wiederum   seinen Namen vom Heumarkt, der einst vor dem Haus stattfand.

Später wurde der Platz auch "im Ayrwinkel" (im Eierwinkel) genannt, da an selber Stelle der Eiermarkt stattfand. Der ursprünglich einheitliche Gebäudekomplex des Hauses Heuport besteht aus dem heutigen Haus Heuport, der Dombuchhandlung sowie dem Hotel Kaiserhof und läßt durch seine gewaltige Ausdehnung auf den Rang seines mutmaßlichen Erbauers, des Hansgrafen Carl Kratzer († 1355) schließen, der als Schirmherr der Regensburger Fernkaufleute eine führende Stellung in Regensburg inne hatte.

Die gesamte Anlage wurde damals als grosses Patrizierhaus genutzt. Im Jahr 1341 wurde der nördliche  Teil des Gebäudes mit der Kapelle, dem Turm und einem westlich anschließenden kleineren Giebelhaus bei einer Teilung des Anwesens abgetrennt. Im Jahr 1442 befand sich das gesamte Anwesen wieder in einer Hand. Später fanden mehrere Umbauten statt, so auch 1593 unter Georg Kreis von Lindenfels. Um 1713 erfolgte unter dem Besitzer Johann Ludwig Pürkel eine Barockisierung der Anlage. Bei diesen tiefgreifenden Umbauten wurde unter anderem das einst gotische Dach, welches mit Zinnenkranz und Treppengiebel versehen war, durch ein Mansardwalmdach ersetzt.

Im frühen 20. Jh. zog man in Erwägung das Haus Heuport zwecks eines Straßendurchbruchs abzureißen. In den 30er Jahren, in dieser Zeit war das Haus in städtischem Besitz, wurde das gesamte Gebäude durchgreifend saniert. Im Rahmen dieser Sanierungsmaßnahmen unter der Leitung von Walter Boll kamen im Bereich der Fassaden - insbesondere bei der Ostfassade - gotische Maßwerkfenster und Spitzbogen-Loggien zum Vorschein. Diese Funde gaben den Anlaß, das gesamte Gebäude weitgehend zu regotisieren, was aber eine Reihe von Rekonstruktionen erforderte. So fand eine Regotisierung des Festsaaltraktes und der Nordfassade statt.

Die heute an der Ostfassade zu sehende gotische Fenstergruppe ist somit eine Rekonstruktion aus dem Jahr 1936/37. Im den Jahren 1939 und 1979 fanden noch weitere kleinere Umbauten statt.

Heute prägt der gesamte Gebäudekomplex ganz wesentlich das Bild des Platzes gegenüber der Domwestfassade.

Baubeschreibung:

Bei dem Komplex des Haus Heuport handelt es sich um eine ausgedehnte vierflügelige im Kern gotische Anlage mit einem großen Innenhof.

Der älteste Bauteil, nämlich die Nordostecke mit dem spätromanischen Turm, stammt aus dem 12. Jh.. Heute ist nur noch der Stumpf des Turmes erhalten, da dieser 1593  wahrscheinlich aus Geldnot abgetragen werden mußte.

Die südlich angrenzende Andreaskapelle aus dem frühen 14. Jh. ist an der Fassade noch an ihren rekonstruierten dreibahnigen Maßwerkfenstern zu erkennen. Es bestand wohl damals über eine Empore eine Verbindung zum Festsaal des Hauses Heuport.

Der westliche Teil der Anlage mit seinen den Innenhof dreiseitig umgebenden Rückgebäuden entstand weitgehend um 1700, wobei der südwestliche Teil im Kern wohl aus dem 14. Jh. zu stammen scheint.

Das heutige Haus Heuport befindet sich im südlichen Teil der Anlage und entstand etwa ab 1300. Es umfasst das große ehemalige Wohnhaus und die anschließende Einfahrtshalle mit dem darüberliegenden Festsaal. Aussergewöhnlich ist dabei die Erschließung über eine offene gotische Treppenhalle mit Balkendecke, die sich zum Hof hin in Spitzbögen öffnet. Die einstmals gotische Steintreppe wurde im 18. Jh. durch eine Holztreppe ersetzt.

Am Fuss der Treppe gibt es eine Besonderheit, ein Steinquader mit 3 Löchern, der zum Löschen von Fackeln diente.

Desweiteren befinden sich am Anstieg der Treppe auf halber Höhe zwei für Regensburg berühmte gotische Steinfiguren, etwa 30 cm hoch, die Anfang des 14. Jh. entstanden. Dargestellt wird eine isolierte Szene aus dem biblischen Gleichnis der klugen und der törichten Jungfrauen: Es handelt sich um einen jungen Mann, genannt "Fürst der Welt", und eine "törichte Jungfrau". Dieser "Fürst der Welt" erscheint in der Vorderansicht als vornehm gekleideter, lächelnder junger Mann mit einem Apfel in der Hand, das Sinnbild des Freiers, der mit werbender Geste die törichte Jungfrau zur Sünde verlockt. Diese ist sichtlich angetan von den verführerischen Schmeicheleien. Verlegen senkt sie ihre Augen zum Boden, in erregter Erwartung die rechte Hand an der pulsierenden Brust und eine Öllampe in ihrer linken achtlos nach unten gesenkt. Könnte die törichte Jungfrau aber um die Mauerecke blicken, so würde sie das wahre Gesicht des Jünglings entdecken und sich mit Entsetzen von ihm wenden. Auf der Rückseite der Figur kann man nämlich folgendes erkennen: Im Rücken des "Fürsten der Welt" nisten Ratte und Kröte und eine Schlange windet sich hinein. Diese Tiere sind Symbole des Teufels und kennzeichnen den Jüngling als satanischen Verführer. Etwas besonderes ist auch die Platzwahl für das Figurenpaar:

Zum einen hat der Bildhauer bei der ans Eck plazierten Gruppe die Möglichkeit der zwei Ansichten geschickt ausgenutzt, zum anderen befinden sich die beiden Figuren noch dazu am Auf- und Abgang auf Augenhöhe zum Festsaal des Hauses, der damals auch Hochzeitssaal war. So kommt es zusätzlich zu einer besonders eindringlichen Aussage und Warnung an die Vorbeigehenden.

Am Ende des Treppenaufgangs befindet sich auf der Stirnseite eine Tafel aus Solnhofener Stein von 1615 mit dem Namen des Junkers Georg Kreis von Lindenfels und vier Wappen. Dabei handelt es sich um dessen Wappen und die seiner drei Gemahlinen (Kreis, Seckendorf, Portner und Haller). Der sich direkt über der Durchfahrt befindliche Festsaal mit einer an sechs Stützen aufgehängten Balkendecke stammt aus dem 14. Jh. und ist entgegen dem Anschein nicht mehr original aus der Gotik erhalten, sondern 1936/38 nach Rückbau der barocken Anlage entstanden.

Die wiederverwendeten bzw. zum großen Teil rekonstruierten Maßwerke, Bogenteile und Profile bei der Wiederherstellung der Maßwerkfenstergruppen sind sehr aufwendig gestaltet. Dies wiederum gibt Aufschlüsse über Reichtum und Repräsentationsbedürfnis der Patrizierfamilie, welche die Anlage errichten ließ. Dies spiegelt sich auch in weiteren Ausstattungsdetails wieder, wie etwa der gotischen Balkendecke in der Einfahrtshalle. Aus der barocken Umbauphase im O. G. hat sich die Raumfolge erhalten. So schliessen an den Saal einige kleinere Räume mit reichen Stuckdecken aus dem 18. Jh. an, welche den italienischen Einfluss verraten. Hinzu kommen klassizistische Wanddekorationen und Architekturmalereien des Regensburger Dekorationsmaler Joseph Zacharias (etwa 1800) im größeren dieser Räume.

Hier befinden sich auch die ursprünglich aus Wien kommenden Fürstenbildnisse in schweren Goldrahmen. Der weiße Kachelofen stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jh.

An verschiedenen Stellen der Anlage befinden sich noch heute Bauinschriften, die über Umbauten und Besitzverhältnisse Aufschluß geben: An der Südmauer des Treppenhauses der Wappenstein "1615/GEORG KREYS VON LINDENFELS", an der Ostfassade des Südflügels ein Portal mit dem Schlußstein "1666" sowie am Hof vor der Durchfahrt ein großer Stichbogen mit der Inschrift im Scheitel "16.ML.81"; an der Südmauer des gleichen Trakts, westlich an der Grenze zu Rückgebäude von Tändlergasse zwei Inschrifttafeln unter der Traufe: "Eigenthum/16 ML 81" und "Eigenthum/W.F. Roth / 1820"; im Westflügel am Hof Tür mit vergittertem Oberlicht im Sturz "1705".

Grundriss:

Haus Heuport in Regensburg


Besitzer:

Der erste bekannte Besitzer dieses Anwesens war der Hausgraf Carl Kratzer, der vermutlich auch die Kapelle St. Andrea erbaute. 1335 wurden die neuen Besitzer Ofmen (Euphemia) Symon und ihr Sohn und bald darauf im Jahre 1341 wurde das Haus durch ein Schiedsgericht zwischen den Geschlechtern der Symon und die der Straubinger geteilt.

Dabei erhielten die Symon die Kapelle, den Turm und das Haus am Turm in der Kramgasse, genannt "die Kuchin", während Andreas Straubinger und seine Frau Agnes der größere südliche Teil des Gebäudekomplexes, genannt "in dem Dörflein" zugewiesen wurde.

Im Laufe der Zeit kamen die Häuser in Besitz verschiedenster namhafter Familien wie die der Granner, Sittauer, Reich, um nur einige zu nennen, bis einschließlich 1486 - 1506 unter Erhard Gravenreuther die gesamte Anlage wieder einen Besitzer hatte. Dieser verkaufte 1512 das Haus an einen gewissen Tummer aus Nürnberg, und von diesem kam es 1516 durch Kauf in den Besitz von Wolfgang Portner. Im Jahre 1593 schließlich wurde der neue Besitzer der Junker Georg Kreis von Lindenfels, dessen Gemahlin eine Portner war. Seine Erben verkauften dann später das Haus an einen gewissen Zehentner um 2200 Gulden und so wechselte es noch viele Besitzer, bis um das Jahr 1810, als die Häuser wieder geteilt wurden, der südliche Teil an die Familie Bertram kam.

Nach dem Tod des Kaufmanns Friedrich Anton Bertram wurde das Haus um 1860 verkauft, und seit dieser Zeit befand sich dort die Verlagsbuchhandlung Coppenrathsche. Heute befindet sich an gleicher Stelle die Dombuchhandlung und führt somit die Tradition fort.


Besondere Öffnungszeiten zu Weihnachten & Neujahr:

24.12.2017 von 09.30 Uhr bis 14.00 Uhr Frühstücksbuffet
25.12.2017 von 11.00 Uhr bis 24.00 Uhr Weihnachtskarte
26.12.2017 von 11.00 Uhr bis 24.00 Uhr Weihnachtskarte
31.12.2017 von 18.30 Uhr bis 02.00 Uhr Silvesterball
01.01.2018 von 09.30 Uhr bis 14.00 Uhr Neujahrsbrunch / ab 18.00 Uhr geschlossen
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